Schirmvögte
Seit der Spätantike waren der Kirche weltliche
Geschäfte verboten.
Schirmvögte übernahmen sie stellvertretend.
Vogt
leitet sich ab von advocatus - der Hinzugerufene.

Fraumünster 874
Das Fraumünsterstift als ein Reichskloster erhielt Reichsvögte als Schirmherren.
Diese wurden direkt vom König eingesetzt.
Sie hatten die Rechte des Reiches zu wahren und das Kloster zu schirmen und zu
schützen.
Zu Beginn versahen die Herzöge von Schwaben
dieses Amt,
dann die Lenzburger von 976 bis zu ihrem Aussterben 1173,
schliesslich die Zähringer von 1173 bis zu ihrem Aussterben 1218.
1218 zog König Friedrich II. die Schirmvogtei direkt an
sich.
Unter Friedrich II. erhielt die Äbtissin den
Rang einer Reichsfürstin.
Damit wurde sie Herrin der Reichsstadt Zürich.
Als solche befasste sie sich auch mit weltlichen Geschäften:
Bis zu den Brun`schen Umwälzungen 1336 ernannte sie den Schultheissen.
Sie hatte für die Stadt die Gerichtsbarkeit inne.
Mit ihrem Siegel bestätigte sie Briefe.
Sie verlieh das Münz- und Zollrecht und bestimmte Münzfuss und Masse.
(Noch heute ist an der Nordfassade des Fraumünsters das
Klaftermass zu sehen.)

Fraumünster im 13.Jh.
Den Ländereien, die im Besitz des Fraumünsterstifts waren, gab
Friedrich II. aber wieder Reichsvögte:
Ins Urnerland kamen die Habsburger,
was zu den bekannten Befreiungskämpfen und zur Gründung der Eidgenossenschaft
führte.
Für das Horgner Gebiet ernannte Friedrich II. die
Schnabelburger zu
Reichsvögten.
Das blieben sie bis zum Königsmord an Albrecht I. bei Windisch 1308,
an dem der junge Schnabelburger Walter IV.von Eschenbach beteiligt war.
Nun setzte
König Heinrich VII. von Luxemburg die Herzöge von Österreich als
Reichsvögte ein,
bald aber wurde Horgen an die Hallwiler weitergegeben.
1406 verpfändeten die Hallwiler die Vogtei Horgen an Zürich
und konnten sie nicht mehr auslösen.
So kam Horgen wieder unmittelbarer in den Einflussbereich des
Fraumünsterstifts.
Welch gewichtiges Wort die Äbtissin in Stadtdingen noch immer
mitzureden hatte,
zeigt uns die Tatsache,
dass der hingerichtete Bürgermeister Hans Waldmann (gest.1489) in der
Fraumünsterkirche begraben liegt.

Fraumünster 1504
Im Zuge der Reformation wurde das Kloster aufgelöst.
1524 übergab die letzte Äbtissin Katharina von
Zimmern
das fast 700jährige Kloster mit allen Rechten und Besitzungen der Stadt Zürich.
Von nun an war Horgen gewöhnliches Untertanengebiet der Stadt.

Die einstige Macht des Fraumünsterstifts zeigt sich in der Geschichte der Siegel:
links das Siegel der Äbtissin aus dem Jahr 1232 mit den
enthaupteten Stadtheiligen Felix und Regula,
in der Mitte das spätere Zürcher Siegel mit Felix, Regula und ihrem Diener
Exuperantius,
rechts das heutige Staatssiegel aus meinem Pass.
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